Ausstellung im Folkwang-Museum: Der Kampf um Arbeit
ESSEN Jahrelang hatte Chris Killip versucht, in der Reifenfabrik der Firma Pirelli in Burton/England zu fotografieren. Als er es 1989 endlich durfte, erfasste ihn schon beim ersten Rundgang Panik: "Wie konnte ich bloß vergessen, dass Gummi schwarz ist? Die Fenster waren verdunkelt und die Arbeiter trugen dunkelgraue Kleidung. Ein Albtraum."
Chris Kilip in der Ausstellung in Essen. (Foto: Jäger)
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Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb gelangen Chris Killip Fotos, die bis heute pure Magie sind. Das Essener Folkwang-Museum zeigt unter dem Titel "arbeit/work" 126 größtenteils schwarz-weiße Fotos des berühmten Briten, den Kuratorin Ute Eskildsen den "eigenwilligen Protagonisten einer unabhängigen Dokumentarfotografie" nennt.
Killips Bilder aus den Jahren 1969 bis 2005 zeigen einfache Leute, die immer wieder um Lohn und Brot kämpfen müssen. Wir sehen einen Bergarbeiterstreik, Armut, Verzweiflung, zerfallende Landstriche, Kinder, die im Müll spielen müssen. Das ist hart, sozialkritisch, aufrüttelnd, von zeitloser menschlicher Dramatik, aber eben auch von großer Empathie und viel Mitgefühl getragen.
Menschenfreund
Gerührt gucken wir auf ein älteres Ehepaar, das ganz abgearbeitet wirkt und am Strand Fish´n´Chips aus fettigen Papiertüten verzehrt. Killip (65), geboren auf der Isle of Man, ist ein Menschenfreund. Für seine Bilder hat er stets den Kontakt mit den Porträtierten gesucht. Und bei seinem Besuch der Ausstellungseröffnung in Essen konnte er - übrigens auf unnachahmlich geistreiche Weise - zu vielen Bildern die Namen der Dargestellten nennen, ja sogar von deren weiterem Schicksal erzählen.
In einem klugen Aufsatz im Katalog hat David Campany diesen Ansatz beschrieben: "Killips Thema sollte die Geschichte sein, wie die Menschen sie im Innern erleben, nicht wie sie geschrieben wird. Er würde die Menschen darstellen, die durch die Modernisierung abgehängt, an den Rand gedrängt oder anderweitig ausgeschlossen wurden."
Mehr als eine Beschreibung
Seit 1991 lehrt Killip an der Harvard University in Cambridge/USA. Er hat von dort aus viele Orte in England besucht, in denen er Jahrzehnte zuvor fotografiert hatte, und war erschüttert. Viele Minen und Fabriken sind einfach verschwunden, haben grünen Wiesen Platz gemacht. Killip sagt: "Fotografie ist viel mehr eine Beschreibung einer Zeit als die eines Ortes."




