Film "Dame, König, As, Spion": Psychogramm einer paranoiden Sippe
Spionage und Spannung sind wie siamesische Zwillinge scheinbar untrennbar miteinander verbunden. Und doch wagt Regisseur Tomas Alfredson mit scharfem Skalpell den waghalsigen Schnitt. Die Geschichte des Films "Dame, König, As, Spion", die er nach einer Vorlage von John le Carré aufbereitet hat, ist mehr Psychogramm einer paranoiden Sippe als patriotisches Agentenspiel.
Gary Oldman ist das As in der britischen Geheimdienst-Zentrale. Aber wer ist der böse Bube? (Foto: StudioCanal)
Bond-Freunde sitzen hier definitiv nicht in der ersten Reihe. Aber selbst Kenner komplizierter Plots haben keinen leichten Stand. Wer in diesem Film die Aufmerksamkeit schleifen lässt, dürfte verloren haben.
Optischer Schmuddel-Look
Dabei deutet die Eröffnungssequenz noch auf übliche Erzählstrategien hin: Ein 1973 für England arbeitender Spion wird in Budapest in die Falle gelockt und erschossen. Soweit zunächst die Annahme der Zeugen im Zuschauerraum. Rückblenden werden ihren Standpunkt immer wieder torpedieren. Das Ganze spielt sich mit grauen Herren im Grau des Kalten Krieges ab. Auf Kolorierung wird man auch im Laufe des Films fast völlig verzichten müssen. "Dame, König, As, Spion" ist in seinem optischen Schmuddel-Look kaum zu überbieten. Wohlfühl-Filme sehen anders aus. Dieser ist genial fotografiert und lässt einen frösteln.
Wer ist der Maulwurf?
Das Desaster im kommunistischen Ungarn verlagert das Geschehen in die Zentrale des britischen Geheimdienstes. Dort wird eine undichte Stelle vermutet - ein Maulwurf, ein Überläufer, ein Informant. Und Mister George Smiley (ein grandios stoischer und deshalb wohl auch Oscar-nominierter Gary Oldman) soll ihn finden. Fünf Kollegen hat er im Visier. Wem kann er vertrauen? Wer vertraut ihm? Misstrauen überall.
Erlesene Darsteller
Neben Gary Oldman sind Colin Firth ("The King's Speech"), Tom Hardy ("Inception"), Mark Strong ("Sherlock Holmes") und John Hurt ("Der Elefantenmensch") mit von der Partie. Erlesene Darsteller, deren Spielkunst fesselt. Spannung ist in ihren Gesichtern genug abzulesen. Dafür bedarf es keiner 08/15-Dramaturgie. Operation gelungen.






