Medikamenten-Verkauf: Dubiose Betrugsmasche per Telefon
GREVEN/RECKENFELD Vergangene Freitag erhielt Sigrid Rudolph einen Telefonanruf, der viele Fragen aufwirft. Fragen nach dem Datenschutz und nach der kriminellen Energie dubioser Geschäftemacher. Eine Unbekannte, die sich als Mitarbeiterin der Uniklinik Münster ausgab, versuchte der Reckenfelderin Tabletten zu verkaufen.
(Foto: Bandermann)
"Im Auftrag" der Uniklinik Münster
Die OP verlief gut, die Reckenfelderin bekam anschließend von den münsterschen Medizinern bestimmte Tabletten verschrieben. Vergangenen Freitag klingelte bei ihr das Telefon. Eine Dame gab sich als Mitarbeiterin der Uniklinik Münster aus. Sigrid Rudolph, so sagte die Anruferin, müsse ab sofort ein anderes, neues Medikament zum besseren Aufbau bestimmter Blutkörper-Teilchen nehmen. Sie habe den Auftrag der Uniklinik Münster, den Medikamenten-Austausch in die Wege zu leiten. Das neue Präparat sei allerdings, nun ja, nicht ganz preisgünstig. Es solle gut 160 Euro kosten. Am besten sei es, das Geld direkt an sie zu zahlen. Spätestens jetzt wurde Sigrid Rudolph hochgradig misstrauisch.
Sofort aufgelegt
„Ich habe ihr gesagt, dass ich das Ganze sehr seltsam finde und erstmal bei der Uniklinik nachfragen wolle.“ Damit war das Gespräch beendet, die Dame am anderen Ende der Leitung legte sofort auf. „Anschließend habe ich bei der Uniklinik angerufen, dort wusste man nichts von einem neuen Präparat. „Sollten Medikamente umgestellt werden müssen, würden wir das garantiert auch nicht telefonisch machen“, sagt Gisela Werning vom Kardiologie-Sekretariat der Uniklinik. Woher die Anruferin die doch recht detaillierten Informationen über die Ex-Patientin Sigrid Rudolph hatte, das ist der Sekretärin allerdings ein Rätsel. „Wir sind ein Riesenhaus“, sagt sie, aber solche Daten dürften natürlich nicht nach außen gelangen. Und dass sie Vergleichbares noch nie gehört habe.
Ähnliche Anrufe
Margret Esters, Leiterin der Verbraucherzentrale in Rheine, stimmt zu: „Ein Fall mit einer solchen Vorgeschichte und so guten Kenntnissen ist mir nicht bekannt.“ Sie kenne höchstens ähnliche Anrufe, bei denen arglosen Menschen so genannte Nahrungsergänzungsmittel aufgeschwatzt werden sollen. „Grundsätzlich ist bekannt, dass mit Verbraucherdaten gehandelt wird, aber dieser Fall ist garantiert nicht zulässig.“ Das sieht auch Polizei-Pressesprecher Udo Potthoff ähnlich. „Man kann da nur zur Vorsicht raten.“ Woher die Patientendaten stammen, darauf kann sich auch Potthoff keinerlei Reim machen. Wichtig sei aber, dass sich Sigrid Rudolph am Telefon genau richtig verhalten habe.













