Titel-Missbrauch: Bundestagspräsident befasst sich mit dem Fall Jasper
KREIS STEINFURT Jetzt ist es offiziell: Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert (CDU) hat einen offiziellen Einspruch gegen das Ergebnis der Bundestagswahl im Wahlkreis 129 (Steinfurt III) erhalten. Hier hatte Dieter Jasper (CDU) die Wahl gewonnen, der sich zurzeit mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, unberechtigt einen in der Schweiz erworbenen Doktortitel getragen zu haben.
Dieter Jasper, Bundestagsabgeordneter der CDU im Wahlkreis Steinfurt III. (Foto: privat)
Zweifel an allem
Dabei moniert die Linke nicht nur den unberechtigt geführten Doktortiel, sondern äußert auch Zweifel an Jaspers angeführter Berufsbezeichung „Dipl.-Kaufmann“, die inzwischen im Abgeordneten-Handbuch (Kürschner) nicht mehr auftauche. Hier stehe nur noch die Berufsbezeichnung „Kaufmann“.
„Im Moment wird alles angezweifelt“, kommentierte Dieter Jasper auf Anfrage den Vorstoß der Linken. Er versicherte, sein Diplom habe er 1989 ordnungsgemäß an der Universität Münster erworben, „das kann ich jederzeit auch belegen.“
Plakataktion kritisiert
Weiterer Kritikpunkt im Schreiben von Kathrin Vogler an den Bundestagspräsidenten ist die Nutzung großer Plakatstellwände im Wahlkampf durch die CDU, die zuvor für eine sogenannte „Mutmacherkampagne“ der kreiseigenen Wirtschaftförderung gedient hatten.
Beim Bürger könne hier der Eindruck entstanden sein, „die Wahlkampagne von Herrn Jasper sei sozusagen die logische Fortsetzung der Mutmacherkampagne des Kreises Steinfurt“, moniert Vogler.
SPD erwartet "einen schnelle Rücktritt von Jasper
„Im Nachhinein kommt da ein Geschmäckle auf“, so die Abgeordnete.Ihr Fazit: „In Anbetracht der Tatsache, dass Herr Jasper nur 2765 Stimmen bzw. weniger als zwei Prozent Vorsprung vor dem Bewerber der SPD hatte, können diese Mängel tatsächlich das Wahlergebnis entscheidend beeinflusst haben.“
Auch die SPD legte gestern in Sachen Jasper noch einmal nach. Die Ortsvereinsvorsitzenden von Lengerich und Saerbeck, Björn Schilling und Carsten Ausmann, kündigten ebenfalls ein Schreiben an den Bundestagspräsidenten an. Beide erwarten „einen schnellen Rücktritt“ von Dieter Jasper.













