Ausbildungsserie: Ausbildung zum Bäcker ist etwas für "frühe Vögel"
NEUENKIRCHEN Wenn seine Freunde noch gemütlich in den heimischen Federn liegen und schlummern, steht Mario Rengers bereits längst in der Backstube und rollt Roggenteiglinge. Der 16-Jährige hat am 1. August seine Ausbildung zum Bäcker bei der Bäckerei Werning begonnen, hat meist einen flotten Spruch auf den Lippen und ist auch kurz vor seinem „Feierabend“ in der Mittagszeit noch gut drauf.
Das frühe Aufstehen für seinen Ausbildungsberuf macht Bäckerlehrling Mario Rengers nichts aus. Er macht die Arbeit in der Backstube der Bäckerei Werning gerne. (Foto: Yvonne Petrausch)
Denn noch muss Marios Betrieb das Jugendschutzgesetz einhalten. „Das ist noch der Kuschelkurs“, schmunzelt Bernhard Werning. „Unsere Bäcker sind um 3 Uhr in der Backstube“, sagt der Bäckermeister und Inhaber der gleichnamigen Bäckerei. 220 Mitarbeiter hat sein Betrieb, 25 Filialen werden von der Backstube im Industriegebiet Süd beliefert.
Acht Auszubildende
In diesem Jahr hat die Bäckerei Werning acht Auszubildende als Fachverkäuferin im Bäckerhandwerk (früher Bäckereifachverkäuferin) und zwei Bäckerlehrlinge eingestellt. Aber auch Einzelhandelskaufleute und Konditoren werden hier ausgebildet. 22 Azubis werden bei Werning momentan angelernt.
„Die meisten Mitarbeiter in Führungspositionen haben auch ihre Ausbildung bei uns gemacht“, betont Werning. „Darauf legen wir viel Wert.“ Die Übernahme- und Aufstiegschancen stimmen also.
Mario hat gerade erst die Hauptschule abgeschlossen, hat vor seiner Ausbildung ein freiwilliges Praktikum in Wernings Backstube gemacht. Nicht sein einziges Praktikum. „Mich hatte auch der Einzelhandelskaufmann interessiert“, erinnert Mario sich. Ein Praktikum in einem Gartenmarkt und einer Drogerie brachte ihm aber Gewissheit: „Das wurde schnell langweilig“, sagt er.
Spaß im Team
Im Bäckerhandwerk hat Mario nun genau das gefunden, was ihm Spaß macht. „Manchmal backe ich zu Hause weiter“, verrät er. Leidenschaft dazu sollte jeder mitbringen, der Bäcker werden möchte. Und Bernhard Werning ergänzt: „Spaß im Team und im Umgang mit Lebensmitteln sowie eine kreative Arbeitsweise und handwerkliches Geschick sind unerlässlich.“ Ein guter Hauptschulabschluss reicht aus.
„Schulische Leistungen spiegeln meist nicht den Menschen wider“, weiß Werning. Deshalb ist ihm ein persönlicher Eindruck wichtig. „Wer bei uns eine Ausbildung macht, hat vorher ein Praktikum gemacht. Das ist für alle Beteiligten besser. So gibt es keine bösen Überraschungen“, ist sich der Bäckermeister sicher.
Keine Spülkräfte
Auch für den 45-jährigen Chef von 220 Mitarbeitern ist es schwer geworden, geeignetes Personal zu finden. „Sonst hätten wir auch vier Bäckerlehrlinge genommen.“ „Der gesunde Menschenverstand ist wichtig. Wir sehen unsere Azubis nicht als billige Arbeits- oder Spülkräfte. Wir wollen Fachkräfte ausbilden.“












