„Woche der Brüderlichkeit“: Gisela Schwarze spricht über moderne Hexenjagd
OCHTRUP „Das Traumata von Uckermark sollte sie nicht verlassen; bis heute nicht.“ Es war ein trauriges Schlusswort, das Dr. Gisela Schwarze ans Ende ihrer Ausführungen über die erschütternde Geschichte einer aus Asbeck stammenden Frau mit Namen Maria setzte. Die Historikerin referierte in der Villa Winkel über „die vergessene Verfolgung ganz normaler Frauen im Zweiten Weltkrieg“.
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Gisela Schwarze nannte als Beispiel die ältere Frau, die zu Weihnachten nicht nur für die Familie, sondern auch für einen auf dem Hof lebenden polnischen Arbeiter einen bunten Teller herrichtete. Das passte nicht in die ideologische Vorstellung des „Dritten Reiches“. Ihr menschliches Verhalten brachte die Frau ins Konzentrationslager (KZ) Ravensbrück.
Prügel für Beziehung zu einem Polen
Und da war Maria, ein Kind mit zehn Geschwistern, das schon früh beide Elternteile verlor. Das Mädchen versorgte die jüngeren Geschwister, trug Zeitungen aus und hatte 1941 als 14-Jährige auch Kontakt zu polnischen Zwangsarbeitern. Schwarze, die den Fall recherchiert hat, nannte es „eine harmlose Beziehung“. Der Umgang mit dem Polen beschränkte sich auf Spaziergänge in der Natur. Für die Staatspolizei (Gestapo) war es mehr.
„Gibst du zu, mit dem Polen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben?“ Immer wieder wurde ihr diese Frage gestellt. Maria wusste nicht einmal, was das bedeutete. Sie wollte zurück zu ihren wartenden Geschwistern. Sie bekam Prügel, sie weinte und in ihrer Not unterschrieb sie ein vorgefertigtes Geständnis. Glück war für Maria auf ihrem weiteren Lebensweg ein Fremdwort.
Beinahe Zusammenbruch bei Rückkehr nach Asbeck
Der Pole wurde gehängt, sie kam ins KZ Uckermark, erlebte Hunger, sah, wie unwürdig Menschen behandelt wurden. Das Erlebte hat sie weder vergessen, noch später mit der Familie darüber sprechen können. Als sie zum ersten Mal nach langer Zeit in Begleitung von Gisela Schwarze nach Asbeck kommt, bricht sie fast zusammen.
Nie wieder wollte sie in den Ort zurück, in dem sie noch im Jahr 1945 nach einem Kirchgang von den Bewohnern als „Polenhure“ diffamiert wurde. Schwarze ebnet ihr den Weg, über das Vergangene zu sprechen. „Von da an war der Bann gebrochen. Geholfen hat ihr auch die große Herzlichkeit, mit der die Verwandtschaft sie auffing“, so Schwarze.












