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Medienhaus Lensing
29.01.2012 13:05 Uhr
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Theater: "Das Erdbeben in Chili": Formalisierte Bewegungsabläufe

KÖLN Auf gerade einmal 15 Seiten verknüpft Heinrich von Kleist in seiner Novelle "Das Erdbeben von Chili" nicht nur die tragische Geschichte einer verbotenen Liebe mit einem Bericht von der furchtbaren Naturkatastrophe, die im Jahr 1647 etwa ein Drittel der Bevölkerung von St. Jago die Chili getötet hat.Von Sascha Westphal

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Szene aus "Das Erdbeben in Chili" mit (v.l.) Philipp Gehmacher, Marie Rosa und Jan-Peter Kampwirth. (Foto:Fantitsch )

Er stellt zudem noch nahezu alle philosophischen und religiösen Weltanschauungsmodelle seiner Zeit in Frage. Die Menschen erweisen sich als Monster, und Gottes Wege sind nicht einmal mehr unergründlich.

Inszenierung von Chétouane 

Der Choreograf und Regisseur Laurent Chétouane hat sich nun dieses so vielschichtigen wie rätselhaften Textes angenommen und ihn in der Halle Kalk, der Nebenspielstätte des Schauspiel Köln, auf die weitgehend leere Bühne gebracht, allerdings ohne ihn dabei auch nur im Geringsten zu dramatisieren. Stattdessen erlebt man eine von dem Musiker Leo Schmidthals live begleitete Bewegungschoreografie für drei Körper, die zugleich auch eine Sprachpartitur für drei Stimmen und Gitarre ist.

Jonglieren mit Text

Zu Beginn treten Jan-Peter Kampwirth, Marie Rosa Tietjen und der Tänzer Philipp Gehmacher nahezu ganz in Weiß gekleidet auf und entfernen eine schwarze Plane, die große Teile der Spielfläche abdeckt. Schon hier sind ihre Bewegungsabläufe streng ritualisiert und formalisiert. So wird es auch die ganzen 100 Minuten bleiben. Während sie den ungekürzten Text unter einander hin und her jonglieren, bewegen sie sich meist gemessenen Schrittes durch die Halle, um für Momente tableux vivants zu bilden, die dann sofort wieder in neue Bewegungen und Formationen übergehen.

Kongeniale Umsetzung

Das Ungeheuerliche des Textes bleibt damit in seiner ganzen Maßlosigkeit erhalten. Es findet in den so maßvollen Bewegungen der drei Darsteller eine kongeniale Umsetzung, in der die verstörende Sachlichkeit der Kleistschen Sprache sich in einer ebenso sachlichen, an den Bauhaus-Formalismus der 20er Jahre erinnernden Choreografie spiegelt.

Termin: 30./31.1., 1./ 4./ 6./ 7./ 9./ 10./ 11./ 22./ 23./24.2.; Karten: Karten: Tel. (0221) 22 12 84 00.


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