Ausstellung in Oberhausen: Gepflegter Grusel
OBERHAUSEN Eine "schöne Leich´", wie der Österreicher so sagt, ist das Männlein nicht. Maden kriechen über die morschen Knochen, eine Fliege saugt am Herzen, und Molche kriechen durch die Bauchhöhle. Die Ausstellung "Vanitas Vanitatum!" in der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen verbreitet Grusel, aber doch von der gepflegten Art.
Aus Ebenholz und Elfenbein besteht das "Tödlein" von 1520. (Foto: Museum Schnütgen Köln)
- Kino: "Moonrise Kingdom" Bruce Willis in einem Plädoyer für das Kindliche
- Festival auf Schloss Cappenberg Mirijam Contzen spielt kraftvoll und kompromisslos
- Metronom Theater Oberhausen Musical bietet Kreuzfahrt für die Seele mit Udo Jürgens
- Men in Black 3 Will Smith jagd fiese Aliens im Jahr 1969
- Ruhrfestspiele Recklinghausen Umjubelter "Onkel Wanja" zeigt komische Verzweiflung
Schon im vergangenen Jahr hatte Museumsleiterin Christine Vogt mit den "Leuchterweibchen" eine faszinierende Einraum-Ausstellung präsentiert, die sich um ein sträflich vernachlässigtes Thema drehte. Diesmal steht das nicht minder kuriose "Tödlein" aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig im Mittelpunkt. Ein Leichnam aus Elfenbein, unglaublich fein geschnitzt, 36 Zentimeter lang, 1520 in der Westschweiz entstanden.
Perfekte Maden
"Transi" nennt man diesen Zustand der Verwesung, der verblüffend korrekt dargestellt ist. Nur die Fuß- und Handknöchelchen stimmen nicht. Sogar die Maden hat die Wissenschaft inzwischen als solche der Schmeißfliegenart Lucilia identifiziert.
"Memento Mori"
Makaber? Morbide? Ja, das auch. Aber Sinn der Sache war damals etwas anderes. Während die Christen des Mittelalters fest an die Auferstehung glaubten, fühlten sich die Menschen der beginnenden Neuzeit dem Tod oft hilflos ausgeliefert. Indem sich kunstsinnige Betrachter mit einem "Memento Mori" ("Gedenke des Sterbens") den Tod vor Augen führten, wollten sie sich wappnen, aber ihr Leben zugleich intensiver nutzen.
Grafiken aus Düsseldorf
Genau diesem Zweck dienten auch die vielen Grafiken, die das Tödlein in Oberhausen umringen und aus der Sammlung "Mensch und Tod" der Heine-Universität Düsseldorf stammen. Der Sensenmann und seine Symbole wie Stundenglas, Rauch, verwelkende Blumen bevölkern Stiche von Beham, Dürer, Goltzius. Besonders häufig holt sich der Tod junge Frauen, die (zufällig!) gerade unbekleidet sind.
Ein faszinierendes Gesellschaftspanorama bietet der "Zizenhausener Totentanz". Diese plastischen Figürchen entstanden nach dem (leider 1805 fast völlig zerstörten) Basler Totentanz.
"Vanitas Vanitatum!" hat Christine Vogt die Schau genannt - nach dem Bibelvers "Es ist alles eitel", der auf die Vergänglichkeit alles Irdischen hinweist. "Kunst ist in der Lage, diese Vergänglichkeit aufzuhalten", sagt Vogt. "Das hat doch etwas Tröstliches.







