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Medienhaus Lensing
06.02.2012 19:01 Uhr
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Werner Richters' Scherenschnitte: Zauber der Nagelschere

MÜNSTER Der Waldboden im Märchenland ist wirklich märchenhaft. Im Vordergrund ist er mit weißen Blüten bedeckt, hinten schmiegt sich ein See winziger Sterne um die Baumstämme. Aber keine gute Fee hat es hier Sternentaler regnen lassen. Werner Richters hat mit der Nagelschere gezaubert.Von Manuel Jennen

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Flower Power in der Raphaelsklinik: Für eine Scherenschnitt-Blüte benötigt Werner Richters einen Abend Zeit. (Foto: Manuel Jennen)

Der Scherenschnitt-Künstler aus Legden zeigt die eindrucksvollsten Werke in der Ausstellung der Künstlergruppe „Artefact“ in Münsters Raphaelsklinik. Feine, poetische Blütenarrangements zaubert er aus schwarzem Papier vor weißem Hintergrund. Aber auch augenzwinkernde Motive wie eine bunte Krawatte, die er aus einem Münster-Stadtplan geschnitten hat, oder eine Serie eleganter Stöckelschuhe.

Winzige Sterne

Was ist das Geheimnis dieser Kunst? Wie schneidet man mikroskopisch kleine Sterne mit spitzen Zacken aus schwarzem Papier? Mit der Nagelschere und sehr viel Geduld. Es gibt keinen anderen Weg, als freihändig mit der Schere in das Papier zu stechen und sich an der Vorzeichnung entlang zu arbeiten. Nur, wenn man ein symmetrisches Motiv gestalten möchte, kann man das Papier vorher falten – aber das kommt bei Werner Richters Bildern eher selten vor.

Der hauptberufliche Altenpfleger in St. Josef in Legden versteht sich als Teilhaber einer großen Tradition: „Den Scherenschnitt, auch Psaligrafie genannt, beherrschte sogar Goethe“, sagt er. Vermutlich war der Weimarer Dichterfürst mit den Worten aber doch geschickter als mit der Klinge.

Richters’ hauchzarte Schnitte bilden einen deutlichen Kontrast zu den oft sehr farbigen, plakativen Gemälden seiner Artefact-Kollegen in der Ausstellung. „Diamanten sind die besten Freunde eines Mädchens“, hauchte Marilyn Monroe mit erregtem Tremolo, und auch Malerin Ulla Heitmann huldigt dem Zauber der Klunker. Ihr Triptychon gigantischer Diamant- und Perlenringe feiert und parodiert die weibliche Glitzersucht.

Strommasten im Abendrot

Diane Schless’ opulente Abendrotszene vermittelt hingegen eine subtile politische Botschaft. Statt der Sonnenscheibe prangen zwei Strommasten am Horizont, ihre Kabel schießen wie Strahlen in den Vordergrund. Strommasten sind nicht beliebt, werden als Träger erneuerbarer Energien aber mehr denn je gebraucht. In der Wildwest-Romantik des Bildes sind die Masten das verwegene i-Tüpfelchen der Landschaft.
 
Bis 11. März im Foyer und ersten Stock der Raphaelsklinik, Loerstraße 23. Täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet, Eintritt frei.


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