DORTMUND Patrick Owomoyela (30) ist Ex-Nationalspieler und Ex-Jungprofi, vor allem aber ist Borussia Dortmunds Rechtsverteidiger ein ausgesprochen tiefgründiger Mann. Im Interview mit dieser Zeitung spricht er auch über seinen eigenen Reifeprozess.Von Sascha Fligge und Dirk Krampe
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Patrick Owomoyela (30) blickt mit kritischer Distanz auf seine Anfänge als Fußballprofi. (Foto: Laryea)
Herr Owomoyela, nach einem Trainingsfoul hat Trainer Jürgen Klopp Sie am Dienstag vorzeitig in die Kabine geschickt. Was war passiert?
Patrick Owomoyela: Es ging heiß her. Irgendwann kochte das über, die Aggressivität lag oberhalb der Messlatte. Der Trainer hat ein Zeichen gesetzt, damit es nicht eskaliert.
Sind Sie schon mal in dieser Form bestraft worden?
Owomoyela: Nein, nie! Ich mache ja nichts böswillig. Ich habe mich bei Marco Stiepermann entschuldigt und kurz mit dem Trainer gesprochen – die Sache ist vom Tisch.
Der Financial Times haben Sie gesagt: „Ich komme nach wie vor noch so‘n bisschen an hier im Revier.“ Wann wollen Sie Ihre endgültige Parkposition erreichen?
Owomoyela: Ich wollte erst meinen Fußball in die richtigen Bahnen lenken. Das hat geklappt. Inzwischen komme ich auch privat an. Freundin, Umfeld – alles ist wieder in ruhigen Gewässern.
Auf Ihrer Homepage schreiben Sie noch immer „von Ihrer neuen Heimat Bremen“.
Owomoyela: Die Seite ist nicht mehr up to date. Mein Bruder pflegt sie nun – bald wird‘s wieder aktueller.
Ihre Homepage steht unter dem Motto „Owomoyela – magical power“. Was an Ihnen ist magisch?
Owomoyela: Weiß ich ehrlich gesagt nicht. Power sollte damals für meine Dynamik und Zweikampfstärke stehen. „magical“ fand ich früher gut – heute mag ich das Wort nicht mehr. Ich bin inzwischen wesentlich bodenständiger geworden.
Woran machen Sie das fest?
Owomoyela: Früher war ich vogelwild. Es ging um Spaß haben, alles mitnehmen, läuft super, ich schwebe, nichts kann mich stoppen.
Und dann...?
Owomoyela: ...dann war ich lange verletzt, und da denkst du viel nach. Über ernstere Themen. Ein Prozess des Erwachsenwerdens hat begonnen, ein Reifeprozess. Ich habe erkannt, welche Dinge essenziell sind.
Welche?
Owomoyela: Ob Leute toll finden, was ich beruflich mache, ist jedenfalls sekundär.
Und früher war das wichtig?
Owomoyela: Klar, auch ich habe mich über den Erfolg definiert. Da bekommst du so viele Schulterklopfer, dass du echt glaubst: Das ist es, was dich am Leben erhält.
Wir haben von gescheiterten Talenten gehört, die rückblickend sagen, sie hätten mit den Stars mithalten wollen: Uhren, Autos, Poker-Einsätze…
Owomoyela: Als Jungprofi definiert sich manch einer über Statussymbole. Wenn der Erfolg kommt, willst du Schmuck, Uhren, Autos. Zu Beginn meiner Karriere habe ich teure Uhren gekauft, die blingbling gemacht haben, mit vielen Steinchen – aber technisch minderwertig. Mittlerweile finde ich die Dinger potthässlich! Eine schöne Uhr ist für mich heute etwas ganz anderes.
Und wie sind SIE heute?
Owomoyela: Heute muss ich mir selbst gefallen. Mir ist es nicht mehr so wichtig, wie ich nach außen wirke. Ich weiß, wer ich bin, was ich habe – ich weiß vor allen Dingen aber, wen ich habe.