Nordumgehung: Bauern fühlen sich von Gemeindeverwaltung übergangen

SAERBECK In Middendorf rumort es. Die Landwirte sind wütend. Sie fühlen sich vom Saerbecker Rathaus übergangen. Streitpunkt: Die geplante Nordumgehung, die quer durch die Bauerschaft Middendorf führen würde.

  • Martin Topp-Brinkmann, Heino Gerling, Rainer Hegemann und Wilhelm Plogmaker (v.l.) sind nur vier der Landwirte, die sich gegen die Nordumgehung stellen.

    Martin Topp-Brinkmann, Heino Gerling, Rainer Hegemann und Wilhelm Plogmaker (v.l.) sind nur vier der Landwirte, die sich gegen die Nordumgehung stellen. Foto: Stephan Teine

Im Herbst hatte der Rat der Gemeinde eine Resolution nach Berlin geschickt, um die geplante Nordumgehung von der jetzigen B475 zur Riesenbecker Straße als vorrangiges Projekt zu erhalten. „Ohne mit uns zu sprechen“, sagen die betroffenen Landwirte. Erstaunt waren sie, als sie sich den Inhalt der Resolution genauer angesehen haben: Die Eigentümer hätten den Verkauf der Flächen in Aussicht gestellt, heißt es darin.

„Stimmt nicht. Die Eigentümer sind nicht bereit, Grund und Boden zur Verfügung zu stellen“, sagt Heino Gerling, Vorsitzender vom Landwirtschaftlichen Ortsverein (LOV) Saerbeck. Die umfassende Information sei nur ein Gastvortrag von Bürgermeister Wilfried Roos bei einer Versammlung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins gewesen. „Damals ging es aber noch um nichts Konkretes“, sagt auch Landwirt Martin Topp-Brinkmann. Und auf keinen Fall um Grundstücksverkäufe oder eine Zustimmung der Landwirte. „Man sollte doch erstmal mit den Landwirten reden, bevor man über ihre Äcker trampelt“, sagt Gerling.

Keiner will verkaufen

Keiner der Landwirte will verkaufen. Denn: Sollte die Straße gebaut werden, fürchten sie um ihre Existenz. „Ich lebe von der Landwirtschaft. Wenn die Straße mein Land praktisch zweiteilt, kann ich meinen Hof genauso gut zu machen“, sagt etwa Rainer Hegemann. Die Straße würde viele Höfe zerteilen, wertvoller Eschboden ginge verloren und würde versiegelt. „Was nutzt mir eine Fläche, die ich mit den Maschinen kaum erreichen kann, weil eine Straße zwischen Hof und Acker liegt?“, fragt Topp-Brinkmann. Die Straße würde fast direkt hinter seinen Ställen entlang führen.

Dabei wird die Straße aus Sicht der Landwirte gar nicht gebraucht. „Das ist ein Millionengrab und ein reines Prestigeprojekt“, sagen sie.

Laut der Resolution der Gemeindeverwaltung wurden im Jahr 2008 7275 Fahrzeuge in 24 Stunden auf der B475 im Ort gemessen, davon rund 700 LKW. Die Landwirte halten die Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) dagegen: Demnach waren es 2005 7275 Fahrzeuge und 2010 7350 Fahrzeuge, allerdings nur 422 Lastwagen. Auch die Entwicklung sei nicht so extrem: Die BASt hat schon 1995 über 7100 Fahrzeuge und 2000 sogar 7600 Fahrzeuge auf der Straße erfasst. Die Entwicklung war also sogar leicht rückläufig. Auch die Prognosen, die etwa wegen der Kompostierungsanlage im Bioenergiepark, in den nächsten Jahren deutlich mehr Schwerlastverkehr kommen sehen, halten die Landwirte für überzogen.

Nachteile auch für Anwohner

Die Nachteile der geplanten Umgehungsstraße wirken sich aber nicht nur auf die Landwirte aus – sagen sie. „Die Anwohner in den Wohngebieten hören nur Ortsumgehung und sind davon erst einmal begeistert. Dabei wissen die gar nicht, was das letztlich bedeutet“, sagt Topp-Brinkmann. Dass dann direkt hinter den Gärten eine Straße mit Tempolimit 100 am Baugebieten Lohaus vorbei führt, sähen nur wenige. „Über Lärmschutz wurde dort auch noch nicht gesprochen“, sagt Wilhelm Plogmaker, einer der Landwirte aus Middendorf.
 
Die Landwirte wollen nun für ihre Belange werben. Dazu führen sie Gespräche mit Anwohnern, Parteien und der Verwaltung.
Erste Erfolge haben sie für sich schon verbucht: Die Zustimmung für das Bauprojekt scheint in einigen Fraktionen im Rat der Gemeinde bereits zu bröckeln.
Ansprechpartner bei den Landwirten ist Martin Topp-Brinkmann.
Erste Erfolge haben sie für sich schon verbucht: Die Zustimmung für das Bauprojekt scheint in einigen Fraktionen im Rat der Gemeinde bereits zu bröckeln.
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