22. bis 28. Mai
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München Der Einkaufswagen vor dem Eingang der Teestube quillt fast über. Jacken liegen darin, Decken und Schlafsäcke. Ein paar Meter weiter stehen zwei Männer und rauchen. Lange halten sie es im strengen Frost allerdings nicht aus, dann gehen sie wieder rein.
Kein Einzelschicksal: Ein Lager unter einer Brücke anstatt im warmen Bett. Foto: Felix Hörhager (Foto: dpa)
Drinnen, im Tagestreff «Teestube komm» vom Evangelischen Hilfswerk München ist es wesentlich gemütlicher. Am Tresen gibt es warmen Tee und Kaffee - für 10 und 40 Cent pro Becher. Verteilt an mehreren Tischen sitzen acht Männer und zwei Frauen. Sie lesen Zeitung, lösen Kreuzworträtsel oder gönnen sich ein warmes Essen, das sie sich vorher in der Küche selbst zubereitet haben.
«Wir haben nicht jeden Winter Temperaturen von minus 10 oder minus 17 Grad - schon gar nicht eine ganze Woche», sagt Einrichtungsleiter Franz Herzog. Er engagiert sich seit 25 Jahren für obdachlose Menschen. «Es sind immer noch Menschen draußen und das treibt uns um», sagt er. «Jeder Tag draußen ist einer zu viel.»
Die Streetworker und Sozialarbeiter der «Teestube komm» haben es sich zum Ziel gesetzt, Vertrauen zu schaffen, Mut zu machen. Sie beraten wohnungslose Menschen bei ihren alltäglichen Problemen und versuchen, ihnen wieder ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen.
Zwischen 20 000 und 25 000 Menschen sind allein im reichen Bayern nach Angaben des dortigen Sozialministeriums wohnungslos, das heißt ohne eigenen Mietvertrag. Doch nicht alle von ihnen leben das ganze Jahr unter freiem Himmel. In München sind es etwa 340 Menschen.
Rainer ist einer der Obdachlosen. Vor etwa einem Jahr hat seine Frau die Scheidung eingereicht, auch seine langjährige Wohnung im Münchner Stadtteil Au hat er verloren. Wegen einer Krankheit an den Füßen lag er 2011 vier Monate im Krankenhaus, heute kann er kaum laufen. «Gesundheit weg, Wohnung weg, Frau weg», sagt der 45-Jährige, der sich mit einem dicken Schal und einer Jacke mit Fellkapuze vor der Kälte schützt. «Ich hab richtig Angst, wie es weitergeht.»
Während andere einfach ihre Heizung aufdrehen, schlafen wohnungslose Menschen versteckt in Kircheneingängen, Tiefgaragen oder wärmen sich an der Gebläse-Luft aus den U-Bahn-Schächten. Barbara Peters-Steinwachs kennt die meisten dieser Orte. «Die geschützten Plätze werden knapper», sagt die Ärztin. Man könne nur hoffen, «dass alle einen Unterschlupf finden».
Zusammen mit dem Katholischen Männerfürsorgeverein (KMFV) und dem Orden der Barmherzigen Brüder hat Peters-Steinwachs vor Jahren eine «rollende Praxis» auf den Weg gebracht. An drei Abenden in der Woche fährt sie mit einem Krankenpfleger verschiedene Treffpunkte von Obdachlosen an. Die Allgemeinmedizinerin verarztet kranke Füße und Unterschenkelgeschwüre, misst den Blutdruck oder behandelt Husten und Schnupfen.
«Es ist nicht nur die Kälte», sagt Herzog von der «Teestube komm». «Das Leben draußen geht nicht spurlos an der Gesundheit von Obdachlosen vorüber.» Auch Alkohol und die psychische Belastung spielten eine Rolle. Man wisse nie: «Kommt jemand vorbei, klaut mir mein Zeug, schlägt mich vielleicht zusammen oder sonst was.»
Dabei gibt es in Bayern etliche Notunterkünfte oder Einrichtungen, in denen Menschen ohne Wohnung mittelfristig unterkommen können. Die Betten des Katholischen Männerfürsorgevereins (KMFV) sind eine Möglichkeit. Doch bei Minustemperaturen im zweistelligen Bereich kommen auch solche Hilfsangebote an ihre Grenzen. «Das Haus ist natürlich voll», sagt Peters-Steinwachs.
Auch in der Teestube ist jeden Tag viel los. «Bei der Kälte bin ich öfters hier», sagt ein älterer Mann mit einem Becher Tee in der Hand. Bis vor wenigen Jahren arbeitete der Pensionär noch als Konditor. Als ihm die Anträge und Formulare für seine Rente über den Kopf wuchsen, wandte er sich an die Teestube und ließ sich helfen.

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